Große Medienresonanz auf die Aktion »Glühen für Erdkabel« 5. Dezember

6 12 2010

„Glühen für Erdkabel!“ hieß es am Sonntag, dem 5.12., in Ponitz (Gem. Plattenburg) rund 10 km von Perleberg. Unmittelbar nordöstlich des Dorfes, auf einer Wiese unterhalb einer dort die B 5 querenden großen Freileitung, startete die Bürgerinitiative ‚Hochspannung tief legen’ eine hochspannungsgeladene Aktion: Leuchtstoffröhren, der Leitung entgegengehalten, wurden vom Magnetfeld der Leitung zum Leuchten gebracht. Es gab Glühwein, heiße Suppe aus einem original mongolischen Jurtenofen und natürlich Informationen über die drohende Freileitung und die Alternative eines Erdkabels. Das Fernsehen und Zeitungen hatten Reporter geschickt. Vertreter aus dem Landtag und den Gemeinden waren vor Ort um sich das Spektakel anzusehen. Es gab aber nicht nur etwas zu sehen: die „Prignitzer Erdkabelhymne“ erlebte ihre Welturaufführung.

Allen Aktiven sei an dieser Stelle noch einmal ein ganz großer Dank ausgesprochen! Bei dem Wetter mitzumachen zeugt von großem Engagement für unsere Sache!

Die Berichterstattung des rbb ist für einige Tage im Internet abrufbar.

(19.30 Brandenburg aktuell auf rbb-online)

(21.45 rbb-aktuell in der ard-mediathek)

Auch die Zeitungen haben berichtet:

Online sind diese Artikel erschienen:

In der Märkischen Allgemeinen: „Glühen für Erdkabel“ als kreative Demo der Prignitzer Bevölkerung gegen eine neue Freileitung.

Und im Prignitzer: Kräftemessen mit dem Stromriesen

Hintergrundinformation: Größenvergleich Freileitung/Erdkabelvariante.


Große Ansicht als jpg. (380 KB) oder als pdf (800 KB)
Nachtrag:
  • Die Einleitungworte von Rainer Schneewolf, die in Auszügen im Fernsehbericht zu hören war.
  • Die Prignitzer Erdkabelhymne
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Einleitungsworte zur Aktion „Glühen für Erdkabel“ am 5.12., 16 h in Ponitz (Gem. Plattenburg)

5 12 2010

Liebe Freunde der Prignitz,
Ende November nahm unser Ministerpräsident dankend den Bundesländerpreis zur Förderung erneuerbarer Energien mit dem schönen Namen „Leitstern“ entgegen. Brandenburg bekam ihn, weil es beim Ausbau der erneuerbaren Energien und besonders hinsichtlich der „ehrgeizigen Ausbauziele“ bundesweit Spitze sei.
Bundesweit Spitze ist auch die Prignitz. Kein anderer Kreis in Deutschland produziert pro Einwohner so viel erneuerbaren Strom. Leider bekommt die Prignitz dafür keinen Preis, im Gegenteil, sie bezahlt ihn. Sie bezahlt ihn durch die technische Überfremdung ihrer Landschaft, und sie soll ihn bezahlen durch weitere 60 km Hochspannungsfreileitung von Perleberg bis Kyritz und von Kyritz bis Wittstock.
Der Netzbetreiber E.ON edis nimmt für diesen Bereich eine Verzweieinhalbfachung der Stromerzeugung an. Wirtschaftsminister Christoffers nannte vor einigen Wochen den damit verbundenen Wandel von Landschaften eine Industrialisierung, wie auch andere Landschaften sie im Lauf der Geschichte erfahren haben. Industrialisierungen mit ihren ehrgeizigen Ausbauzielen, so zeigt die Erfahrung, tendieren dazu, auf Sozialverträglichkeit keine besondere Rücksicht zu nehmen. Auch im energiepolitischen Zieldreieck der Brandenburgischen Energiestrategie 2020 kommt sie nicht vor. Da gibt es nur Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umwelt- und Klimaverträglichkeit. Nun haben in jüngerer Zeit Bürger aus verschiedensten Ecken des Landes nachdrücklich mehr Sozialverträglichkeit gefordert. Die Regierung ergänzte das Zieldreieck also um ein viertes Ziel. Aber nicht um Sozialverträglichkeit, sondern um gesellschaftliche Akzeptanz. Akzeptanz ist, wenn der Bürger ein Produkt ohne größeren Widerstand schluckt, unabhängig von seiner Qualität. Akzeptanz ist, wenn der Bürger sich eine weitere Hochspannungsleitung, notfalls achselzuckend, als Freileitung gefallen lässt. Etwa weil man ihm einredet, alles andere müsse er teuer bezahlen.Sozialverträglichkeit hingegen ist, wenn das Produkt für ihn was taugt. Sozialverträglich ist, wenn die Leitung unter die Erde kommt, weil sie seine Landschaft nicht weiter abwertet und unterm Strich nicht teurer ist als eine Freileitung. Zur Sozialverträglichkeit gehört auch, dass man dem danach fragenden Bürger sagt, wie sich neue Stromleitungen, ob über oder unter der Erde, auf seine Jahresstromrechnung auswirken. Das nennt man Transparenz. Auch die wird ständig aus Politikermund versprochen. Eingelöst wird sie nahezu nie. Man hört in den Verlautbarungen von Regierungen und Netzbetreibern immer nur fürchterliche Milliardensummen für den Bau neuer Leitungen. Und wenn man die auch noch erdverkabelt – nicht auszudenken! Tatsächlich bewegen sich die Mehrkosten einer kompletten Erdverkabelung von 60 km Hochspannungsleitung pro Jahr und Haushalt im Centbereich. Zu diesem Ergebnis kamen unabhängig voneinander z.B. die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen und die Staatskanzlei unseres heutigen Bundespräsidenten, als er noch Ministerpräsident war. Wir haben den Abteilungsleiter für Energiepolitik im Wirtschaftsministerium gebeten, uns mitzuteilen, um wieviel sich die jährlichen Stromkosten eines durchschnittlichen Haushalts erhöhen, wenn er 60 km neue Hochspannungsfreileitung mitfinanzieren muss. Und was es ihn kostet, wenn die Leitung als Erdkabelleitung gebaut wird. In seinem Antwortschreiben hat sich der Abteilungsleiter für Energiepolitik um jegliche Zahl herumgedrückt, obwohl die Bundesnetzagentur, die seinem Ministerium untersteht, über eine Unmenge von Erfahrungswerten verfügt. Aber immerhin schrieb er: „Es ist dem ungeachtet zu erwarten, dass sich für den von Ihnen beschriebenen konkreten Fall – Neubau einer 60 km langen Freileitung – hochgerechnet auf den durchschnittlichen jährlichen Stromverbrauch eines deutschen Haushalts nur ein geringer Betrag ergibt.“ Die Mehrkosten einer Erdverkabelung sind dann zwangsläufig noch geringer. Warum bekommt der Bürger auf seine einfach zu beantwortende Frage keine Antwort? Da der Ehrgeiz von Regierungen und Netzbetreibern offensichtlich Anderes im Blick hat als Sozialverträglichkeit, geht es beim Netzausbau leider nur um Akzeptanz. Wir sollen bitteschön schlucken.Entsprechend sagte unser Ministerpräsident bei der Preisverleihung, die ehrgeizigen Ziele des Landes seien nur zu erreichen, wenn alle Partner an einem Strang zögen und in der Bevölkerung für Akzeptanz geworben werde. Er sagte nicht: die Ziele seien nur zu erreichen, wenn die Politik die Produzenten und Transporteure von Energie dazu verpflichtet, sozialverträgliche Produkte anzubieten, wie z.B. neue Hochspannungsleitungen, die komplett erdverkabelt werden. Er sagte wörtlich: „Auch alternative Energieerzeugung ganz ohne Belastungen für Mensch und Umwelt ist technisch noch nicht möglich. Deshalb brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte, wo welche Kompromisse denkbar sind.“Eine Erdverkabelung von Hochspannungsleitungen ist technisch völlig unproblematisch. Das sagen selbst die Netzbetreiber und die ihnen eng verbundenen Wirtschaftsministerien. Da brauchen wir keine breite gesellschaftliche Debatte. Für die haben wir mit unserer Leitung auch gar keine Zeit mehr. Wir brauchen auch keinen Kompromiss. Das ist wie beim Bahnhof in Stuttgart: entweder oben oder unten, dazwischen gibt’s nichts. In der Prignitz wollen wir mit unserer Leitung ganz entschieden nach unten! Und das will nicht nur eine Bürgerinitiative, das will unser Kreistag, das wollen die Gemeinden an der geplanten Trasse. Und das wollen Tausende von Bürgern. Und weil die Gesetzgeber auf Bundes- und Landesebene eine komplette Erdverkabelung von Hochspannungsleitungen bisher faktisch ausschließen, wollen wir die Prignitzleitung als Erdkabel-Pilotprojekt!Das Problem ist nur: Weder die Politiker in Berlin noch die in Potsdam wollen das hören. Sie haben von den Lobbys tief verstopfte Ohren. Und sehen tun sie auch schlecht, und schon gar nicht bis in die Prignitz. So bleibt uns nur übrig, mordsmäßigen Krach zu schlagen und ein gleißendes Licht in Richtung der beiden Hauptstädte zu schicken. Und da wir das möglichst umwelt- und sozialverträglich tun wollen, wird das heute in Gestalt unserer Prignitzer Erdkabelhymne und eines Glühens von Leuchtröhren geschehen. So hoffen wir, dass unsere Hymne und unser Glühen für Erdkabel ihren Weg doch noch bis zu der Stelle finden, wo die in Berlin und Potsdam Regierenden so etwas wie soziale Intelligenz sitzen haben.

In diesem Sinne also: Leuchtröhren hoch halten, Hochspannung tief legen, für eine Prignitz mit Weitblick!

 





In Österreich wird den Freileitungen »ade« gesagt.

22 11 2010

Eine Bürgerinitiative aus Österreich die sich 110kv-ade nennt kämpft in Österreich für die Zeitgemäße Form des Stromtransports.

Website der BI aus Österreich 110kv-ade.at

Auf dem Foto rot markiert: die geplante Trasse der Freileitung am Sonnseiten-Bergrücken oberhalb von Steinbach a.Z.

Sie schreiben auf ihrer Website 110kv-ade.at:

Wir lassen nicht zu, dass unser Land das Opfer eines Auslaufmodells wird!

So sehen wir das in Brandenburg auch!





Für eine Prignitz mit Weitblick

5 11 2010

Logo der Bügerinitiative „Hochspannung tief legen“





Erdkabel statt Freileitung – Wo ein Wille ist, lassen sich Wege finden …

27 08 2010

Erdkabel sind eine Alternative ohne Verschandelung von Stadt und Land.

Statt einer ursprünglich geplanten 110-kV-Freileitung durch das Stadtgebiet von Plettenberg wird nun – auf der Basis von Gutachten der ATW-Forschung Wiesbaden und der RWTH Aachen – eine Erdkabellösung realisiert.

Lesen Sie hier das Beispiel aus Plettenberg.





Begründung zum Beschluss vom 5. August 2010

6 08 2010

Begründung zum Beschluss:

  1. Neue Hochspannungsleitungen (110 kV-Leitungen) werden nicht gebaut, um die Strom­ver­sorgung der jeweiligen Region zu sichern, sondern dienen allein dem Stromexport aus der Region. Der Landkreis Prignitz z.B. produziert gegenwärtig 67 % mehr Strom aus erneuerbaren Energien als er selbst an Strom verbraucht. Sein Stromüberschuss wird durch Zubau von Wind- und Photovoltaikanlagen bei gleichzeitigen weiteren Einwohnerverlusten noch ganz erheblich zunehmen. E.ON edis z.B. rechnet für den Einzugsbereich der geplanten ‘Prignitzleitung’ mit einer Verzweieinhalbfachung der heutigen Stromerzeugungsleistung.
  2. Insbesondere die Windkraftanlagen, deren Strom durch neue Leitungen abzuführen ist, bedeuten eine erhebliche technische Überfremdung der Landschaft. Diese bringt bedeutsame Verluste hinsichtlich des Wohn-, Freizeit- und touristischen Werts der betroffenen Gebiete mit sich. Diese werden durch ökonomische Gewinne seitens der Gemeinden auch nicht annähernd aufgewogen. E.ON edis rechnet für den Einzugsbereich der ‚Prig­nitz­leitung’ mit einer zusätzlichen Leistung aus erneuerbaren Energien von 425 MW. Das bedeutet, umgerechnet in Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 2 MW, über 200 zusätzliche Anlagen. Oder etwas weniger neue Anlagen, dafür aber eine Erhöhung bestehender z.B. von 100 auf 150 m Rotorspitzenhöhe. Die technische Überfremdung der Region würde damit noch massiv verstärkt.
  3. Den solcherart stark belasteten Regionen wird nun aufgebürdet, zusätzlich zu den Wind­kraft­anlagen, die naturgemäß nicht unter die Erde gebaut werden können, auch neue Hochspannungsfreileitungen hinzunehmen, die die Region völlig überflüssigerweise zusätzlich belasten. Nach dem Motto: wer A sagt, muss auch B sagen, ungeachtet dessen, ob C nicht die wesentlich bessere Lösung wäre. Weder die Energiekonzepte des Bundes noch die des Landes Brandenburg enthalten eine Teilkonzeption für eine sozial- und umweltverträgliche Abführung des Stroms aus Erneuerbaren Energien in die Hochspannungsnetze, machen sich also über C keine Gedanken. Die ‚Energiestrategie 2020 des Landes Brandenburg’ „folgt dem energiepolitischen Zieldreieck aus Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit sowie Umwelt- und Klimaverträglichkeit“ (S. 3 und 31), aber Sozial- und Demokratieverträglichkeit, die das Dreieck zum Viereck machen würde, kommt in der Energiestrategie nicht vor.

Die beiden vorigen brandenburgischen Regierungsfraktionen erklärten sich gegen Ende der Legislaturperiode für die Ermöglichung von Erdverkabelungen nicht zuständig und lehnten eine Befassung mit dem Thema ab. Die damalige Oppositionspartei, die beantragt hatte, ein Brandenburgisches Erdkabelgesetz zu beschließen, stellt heute den für diese Belange federführenden Wirtschaftsminister.

Das im Mai 2009 im Bundestag beschlossene Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) zementierte faktisch die Ausführung neu gebauter Hochspannungsleitungen als Freileitungen, indem dem Netzbetreiber überlassen bleibt, ob er mit seiner Leitung über oder unter die Erde will. Sollte er – ganz gegen die bisherige Praxis – tatsächlich eine Erdverkabelung wollen, muss er nachweisen, dass diese hinsichtlich Bau und Betrieb nicht mehr als das 1,6fache einer Freileitung kosten würde. Diese doppelte Hürde – Erdverkabelungswille und Mehrkostenfaktor nicht über 1,6 – ist in Deutschland bisher noch nicht genommen worden.

  1. E.ON edis hat sich im Sommer 2009 mit Vertretern der beiden Landratsämter Prignitz und Ostprignitz-Ruppin, dreier von der ‚Prignitzleitung’ betroffener Gemeinden und der Bürgerinitiative darauf verständigt, einen Wirtschaftlichkeitsvergleich zwischen einer Freileitung und einer Erdverkabelung für die geplante Trasse durchführen zu lassen, um die Frage zu klären, ob die Mehrkosten einer Erdverkabelung innerhalb des gesetzlich zulässigen Mehrkostenfaktors von 1,6 bleiben würden. Durch die Professoren Oswald und Hofmann von der TU Hannover wurde ein Mehrkostenfaktor von 1,93 ermittelt, 20 % mehr, als das EnLAG für eine Erdverkabelung zulässt.

Die Tiefbaubedingungen entlang der geplanten Trasse dürften nahezu optimal für ein solches Vorhaben sein. Es gibt keinen felsigen Untergrund, keine zu querenden Moore, Seen, Flüsse, Autobahnen und, bis auf ein Stück Stadtdurchquerung, das laut Landesplanerischer Beurteilung ohnehin erdverkabelt werden soll, keine zu querende Siedlung. Das bedeutet, dass der Bundesgesetzgeber die Hürde für eine Erdverkabelung von Hochspannungsleitungen so bemessen hat, dass sie entweder nicht überwindbar ist, oder dass sie in von den Netzbetreibern in Auftrag gegebenen Gutachten ohne den Anschein eklatanter Fehlrechnungen als nicht überwindbar ermittelt werden kann. Angesichts der Bindung einer Erdverkabelung an den Willen der Netzbetreiber läuft Beides im Endeffekt auf dasselbe hinaus.

E.ON edis hat freundlicherweise das Gutachten mit dem Wirtschaftlichkeitsvergleich ihren lokalpolitischen Gesprächspartnern aus Prignitz/Ostprignitz zur Verfügung gestellt, ihnen sehr bedauerlicherweise aber unter Verweis auf darin enthaltene Betriebsgeheimnisse nicht gestattet, daraus außer dem Faktor 1,93 Informationen an Dritte zu geben. Das bedeutet, dass die Region nicht in der Lage ist, unter Zuhilfenahme von Fachleuten zu prüfen, ob nicht die Verkabelungskosten zu hoch und/oder die Freileitungskosten zu niedrig angesetzt wurden.

Wurden zusammen mit der Kabelindustrie die optimalen Kabel-Querschnitte ermittelt? Wurden die aktuellen Kupfer- und Aluminiumpreise herangezogen? Wurde berücksichtigt, dass ein Auftrag für 60 km Kabel pro km sicher kostengünstiger ist als der für kürzere Strecken? Wurde berücksichtigt, dass bei zunehmender Verkabelungspraxis auch die Kabelpreise sinken? Wurde berücksichtigt, dass die Tiefbaukosten in den neuen Bundesländern ganz wesentlich niedriger sind als die im Umland von Hannover?

Wenn die Verkabelungskosten, die zum größten Teil aus Kabel- und Tiefbaukosten bestehen, um 13 % niedriger und die Freileitungskosten um 5 % höher kalkuliert worden wären, wäre man bereits unter den Mehrkostenfaktor von 1,6 gekommen. Das zeigt, dass es zuhöchst undemokratisch ist, die für eine Region hoch bedeutsame Frage der Art der Nutzung ihrer Landschaft über 60 km hin ganz dem Gutdünken eines Netzbetreibers zu überlassen. Die Region könnte für etliche zigtausend Euro ein Gegengutachten erstellen lassen, das sicher zu einem Mehrkostenfaktor von unter 1,6 kommen würde, aber es würde ihr nichts nützen, da die Bundesnetzagentur nach öffentlich gegebener Antwort ihres Präsidenten auf eine entsprechende Frage der Bürgerinitiative nur die Gutachten der Netzbetreiber anerkennt.

  1. Die Bürgerinitiative ‚Hochspannung tief legen’ arbeitet im Steuerkreis des ‚Forums Netzintegration Erneuerbarer Energien’ mit, das von der Deutschen Umwelthilfe veranstaltet und vom Bundesumweltministerium unterstützt wird. Das Forum erstellt in zahlreichen Arbeitssitzungen und breiter Diskussion einen sogenannten „Plan N“, der möglichst in diesem Herbst fertiggestellt sein soll. In ihm werden umfassende konkrete Vorschläge formuliert, um Wege aufzuzeigen, den Strom aus Erneuerbaren Energien schnell und zugleich sozial- und umweltverträglich in die bestehenden, zu ertüchtigenden wie neu zu bauenden Netze und Netzteile zu integrieren. Im Forum Netzintegration sind u.a. Bundes- und Landesbehörden, Netzbetreiber, Umweltverbände und auch einige Bürgerinitiativen vertreten. Der strittigste Punkt ist gegenwärtig die Frage einer Erdverkabelung neuer Hochspannungs­lei­tungen, obwohl sich offenbar alle Seiten in der Prognose einig sind, dass 110 kV-Leitungen in absehbarer Zeit grundsätzlich erdverkabelt werden. Dies ist in großen Städten, und in Dänemark auch in der Fläche, bereits der Fall. Doch wird der Plan N nur eine – wenn auch wegen der Mitwirkung nahezu aller am Netzausbau beteiligten Institutionen und Gruppen ge­wichtige und hoch angebundene – Bera­tungsfunktion haben.

Unmittelbarere Hoffnungen auf die wesentliche Erleichterung einer Erdverkabelung neuer Hochspannungsleitungen lassen sich an das Energiekonzept der Bundesregierung knüpfen, das für den Herbst avisiert ist, und das zur Beschleunigung des Netzausbaus auf der 110 kV-Ebene entsprechende Maßgaben enthalten könnte.

Einen wichtigen Hinweis darauf, dass die Frage auch auf Landesebene angegangen werden kann, gibt eine Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages mit dem Titel „Gesetzgebungskompetenz für das Energieleitungsausbaugesetz“, abgeschlossen am 11.1.2010.1 In dieser wird als rechtlich zweifelhaft erklärt, dass der Bund und nicht die Länder die Bedingungen bestimmen, unter denen Leitungen als Freileitung oder als Erdkabel ausgeführt werden dürfen.2 Wenn dies bereits für die dort behandelte 380 kV-Ebene gilt, so folgern wir, müsste das erst recht, und nicht nur für Teilverkabelungen, für die 110 kV-Ebene gelten, deren Leitungen im Wesentlichen nicht bundesländerübergreifend, technisch problemlos und ökonomisch ganz wesentlich günstiger sind als Leitungen der 380 kV-Ebene.

  1. Kommunalpolitiker der Region und die Bürgerinitiative haben nunmehr alle Möglichkeiten von Appellen an Landesregierung und Bundestagfraktionen, hinsichtlich eines Zusammenwirkens mit E.ON edis und einer Mitwirkung beim Forum Netzintegration  ausgeschöpft. Nun steht trotz allem das Planfeststellungsverfahren für den Bau einer Hochspannungsfreileitung ins Haus, an dessen Ende nach geltender Gesetzeslage und –praxis keine von der Region geforderte durchgehende Erdkabelleitung stehen kann. Die Erfahrung mit den äußerst langwierigen Verhandlungen beim Gesetzgebungsverfahren zum EnLAG lässt es als sehr unwahrscheinlich erscheinen, dass Änderungen von Gesetzgebung und Genehmigungspraxis so rechtzeitig kommen, dass die ‚Prignitzleitung’ noch als Erdkabelleitung realisiert werden kann. So sehen wir den eingangs vorgetragenen Beschluss als einzige verbleibende Möglichkeit, die Dringlichkeit unseres Anliegens mit hinreichendem Nachdruck vorzutragen und, insbesondere wenn andere Regionen sich anschließen, die grundsätzliche Erdverkabelung von Hochspannungsleitungen forciert voranzubringen.

1 Verfasser: Regierungsdirektor Harald Georgii vom WD 3: Verfassung und Verwaltung.

2 „Die Erforderlichkeit einer bundeseinheitlichen ins Detail gehenden Regelung zu der Zulässigkeit von Teilverkabelung ist aufgrund des im Gesetzgebungsverfahrens erfolgten Sachvortrags zweifelhaft. Ob ein weiterer Sachvortrag, insbesondere weitere technische Darlegungen, eine andere Sichtweise rechtfertigen, muss dahingestellt bleiben.“


Adressaten dieses Beschlusses:

Bundeswirtschaftsminister

Bundesumweltminister

Landeswirtschaftsminister Brandenburg

Landesumweltministerin Brandenburg

Die Fraktionsvorsitzenden des Bundestags

Die Fraktionsvorsitzenden des Brandenburgischen Landtags

Die Bundestagsabgeordneten aus den Kreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin

Die Landtagsabgeordneten aus den Kreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin

Die Kreistage, Städte und Gemeinden der Kreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin

Die Kreistage, Städte und Gemeinden Brandenburgs.

Beschluss und Begründung als Word-Datei: Beschluss-Hochspannung-tieflegen_100805





Lässt sich so der gordische Knoten durchschlagen?

25 11 2008

Unter der Überschrift „Erdkabel statt der ungeliebten Freileitung – lässt sich so der gordische Knoten durchschlagen?“ schreibt die Zeitschrift „>e energiespektrum“ in ihrer Ausgabe 05/2008 unter anderem:

[…]

Gegen »eine sachgerechte Debatte« hätte auch der Bundesverband Windenergie nichts einzuwenden. Differenzieren sollte man vor allem bei den Kosten, empfiehlt Geschäftsführer Bischof. In der Hochspannung sei mit maximal 20 % Mehraufwand zu rechnen.

In manchen Fällen liegen die Gesamtkosten einer Studie der Uni Duisburg-Essen zufolge sogar unter denen von Freileitungen. »Es wäre einfach zu sagen, wir bringen die 110 Kilovolt generell unter die Erde.« Vorteile wie bessere Akzeptanz, Beschleunigung und zeitgerechte Erfüllung der Klimaziele würden etwaige Mehrkosten aufwiegen. Das [in Bundesrat und Bundestag diskutierte, aber noch nicht verabschiedete] Erdkabelgesetz wertet der BWE als positives Signal. Allerdings müsste nachgebessert werden, so Bischof, da Kabel bis und einschließlich 110 kV nicht unter die Neuregelung fallen.

[…]

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