Pressemitteilung 12. Feb. 2009

13 02 2009

Runder Tisch in Gumtow fordert grundsätzliche Erdverkabelung

Der heutige Runde Tisch, so sagte Stefan Freimark, Bürgermeister von Gumtow und Gastgeber am vergangenen Mittwochabend, sei die am hochkarätigsten besetzte Veranstaltung, die er bisher in seiner Gemeinde erlebt ha­be. Ministerin Dagmar Ziegler, Bundestagsabgeordnete Dr. Tackmann, Landtagsabgeordneter Thomas Domres, Landrat Hans Lange, die Bürgermeister von Perleberg und Heiligengrabe, die Bürgermeisterin von Plattenburg, Kreisvorsitzende von Kreistagsparteien, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Ostprignitz-Ruppin, die Superintendenten zweier Kirchenkreise und weitere Funktionsträger der Region waren der Einladung der Bürgerinitiative ‚Hochspannung tief legen’ gefolgt, gemeinsam über das Verhalten gegenüber der von E.ON edis geplanten Hochspannungsfreileitung Perleberg – Kyritz – Wittstock zu beraten.

Aktueller Anlass war, dass zur Zeit im Bundestag die abschließenden Beratungen zum ‚Energieleitungsausbaugesetz’ stattfinden. In diesem wird darüber entschieden, ob es überhaupt gesetzlich möglich ist, Hochspannungsleitungen wie die in der Prignitz geplante unter die Erde zu legen.

Im ersten Teil der gut zweistündigen Veranstaltung informierte die Bürgerinitiative über wesentliche Vor- und Nachteile von Erdkabeln und Freileitungen. Es wurde klar, dass auch eine Erdverkabelung nicht ohne ganz erhebliche Bodenarbeiten auskommt, und dass das magnetische Feld direkt über dem Kabel nicht günstiger als das direkt unter einer Freileitung ist. Doch ist eine Kabeltrasse, wie sie z.B. in der Uckermark in 1,20 m Tiefe liegt, nach ein bis anderthalb Jahren wieder rekultiviert und landwirtschaftlich voll nutzbar, so dass man in der Regel nicht sieht, wo sie liegt. Und das magnetische Feld, das auch direkt über dem Kabel weit unter den Grenzwerten bleibt, nimmt bereits wenige Meter neben dem Kabel rapide ab und erreicht dort Werte, für die man bei einer Freileitung 100 m seitlichen Abstand braucht.

Freileitungen stellen eine hohe Gefahr für Vögel, besonders auch Großvögel dar. Vor allem auch, weil der Vogelzug in hohem Maße in der Dämmerung und nachts erfolgt, wenn die Leitungen nicht gesehen werden können. Getötete Vögel am Boden werden sehr schnell von anderen Tieren gefressen, so dass sie dem Menschen nicht auffallen. In den Unterlagen von E.ON edis wurden Untersuchungen aus sehr vogelreichen Gebieten angeführt, in denen zwischen 390 und 2.400 zu Tode gekommene Vögel pro km Freileitung und Jahr ermittelt wurden. Selbst wenn man nur ein Viertel des unteren Werts mit den 60 km der geplanten Freileitung multipliziert, käme man auf über 5.000 tote Vögel im Jahr.

Das eindrücklichste Argument der Netzbetreiber sind die Kosten. Eine Erdverkabelung koste mindestens doppelt so viel wie eine Freileitung  Das ist, so die Bürgerinitiative, aber nur die halbe Wahrheit. Zwar sei die Erstellung der Leitung bei einer Erdverkabelung wirklich deutlich teurer, aber hinsichtlich Betrieb und Erhalt ist eine Erdkabelleitung günstiger. So dass, wenn man diese mit einrechnet, nach Berechnungen der Technischen Hochschule Aachen eine Erdverkabelung im günstigsten Fall sogar etwas kostengünstiger, im ungünstigen Fall bis zu 40 % teurer ist als eine Freileitung.

Beim Endverbraucher kommt aber von diesen Mehrkosten, umgelegt auf den Strompreis, nahezu nichts an. Ein durchschnittlicher Haushalt wird, wenn man die Berechnungen der Technischen Hochschule Aachen zugrundelegt, für 100 km Erdverkabelung zwischen 0 und 20 Cent im Jahr zahlen, näher an null als an 20.

Und wenn man Kosten mit einrechne, die hoch, aber nicht so einfach bezifferbar sind, wie die zahllosen getöteten Vögel, die Gesundheitsgefährdung durch elektrische und magnetische Felder, Schäden der Landschaft, die Beeinträchtigung des Tourismus und v.a. auch die Minderung des Wertes von Grund, Boden und Immobilien für Wohnen und Erholen, dann sei  Erdverkabelung auf jeden Fall volkswirtschaftlich die kostengünstigere Variante.

Am Ende des Runden Tisches wurde nach längerer inhaltlicher Diskussion einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der die Abgeordneten des Deutschen Bundestages dringend gebeten werden, durch eine entsprechende Formulierung des Energieleitungsausbaugesetzes eine grundsätzliche Erdverkabelung für neu zu bauende Hochspannungsleitungen bis 150 kV zu ermöglichen. Denn das ist die unbedingt notwendige Voraussetzung, um die geplante Leitung durch die Prignitz unter die Erde zu bekommen. Die Resolution wird per E-Mail an die Mitglieder der zuständigen Ausschüsse wir Wirtschaft und Technologie sowie für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geschickt. 

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14 02 2009
NEUES AUS GUMTOW

Erfolgserlebnis in Gumtow…

Hallo, meine Lieben!
Der „Runde Tisch” unserer Bürgerinitiative war ein toller Erfolg!
Die geladenen Mandatsträger waren fast vollständig erschienen – „eine so hochkarätige Veranstaltung hat in Gumtow noch nie stattgefunden” – erkl….




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